Pressemitteilung

Die offizielle Pressemitteilung zu unserer Tagung – auch unter:  https://www.uni-duesseldorf.de/home/startseite/news-detailansicht-inkl-gb/article/sucht-rausch-droge-1.html?cHash=dbb1b8e2124f59b964d4c0560403a937

06.11.18 14:14

Öffentliche Tagung mit Podiumsdiskussion im Haus der Universität

„Sucht. Rausch. Droge?“

Wenige Themen werden in Gesellschaft, Politik und Wissenschaft so kontrovers diskutiert wie die ‚Droge‘. Die Meinungen zu Risiken, aber auch Chancen – etwa beim Einsatz von Cannabis – gehen weit auseinander. Schon die Definition des Begriffs ‚Droge‘ bleibt umstritten. Dieser Relevanz möchte die interdisziplinäre Tagung „Sucht. Rausch. Droge?“ am 16. November 2018 im Haus der Universität Rechnung tragen.

Foto: HHU/Ivo Mayr

Ziel der Tagung ist es, die aktuellen Debatten zu Drogenkonsum und Drogenpolitik über die verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) hinweg gemeinsam mit der Öffentlichkeit zu evaluieren. Die eintägige Veranstaltung eröffnet sowohl etablierten Forschenden als auch dem wissenschaftlichen Nachwuchs die Möglichkeit, ihre Expertisen durch Vorträge und offene Diskussionen bürgernah zu präsentieren. Die anschließende Podiumsdiskussion zu “Drogenpolitik in Düsseldorf – Strategien zur Entkriminalisierung?” erweitert diesen offenen Diskurs der Wissenschaften um Positionen aus Politik, sozialer Praxis und Stadt.

Die Tagung beleuchtet diesen ambivalenten Themenkomplex in drei Panels: Sucht, Rausch und Droge. Das Themenfeld „Droge“ ermöglicht einen Einblick in die Argumentationsweise staatlicher Verbote. So erläutert Dr. Sebastian Roßner die verfassungsrechtlichen Begründungen hinter dem Cannabisverbot, während Prof. Justus Haucap über die ökonomischen Auswirkungen des Cannabiskonsums auf die Marktwirtschaft berichtet. Das Panel „Sucht“ widmet sich dem Dilemma zwischen Abhängigkeiten und Auswirkungen. Während Prof. Andreas Meyer-Falcke die Genese und Herausforderungen der Düsseldorfer Cannabis-Initiative darlegt, stellen Dr. Sabrina Kastaun und Prof. Daniel Kotz Ergebnisse aus klinisch-medizinischen Studien zum täglichen Tabakkonsum in Deutschland vor.

Auch Phänomene wie unser alltägliches Kaufverhalten können als „weiche“ Drogen angesehen werden, wie durch Prof. Peter Kennings Beitrag zum Forschungsfeld der Consumer Neuroscience deutlich wird. Die Frage nach den psychologischen Gründen für Suchtverhalten drängt sich hier besonders auf: Bestimmt Sucht die Droge oder Droge die Sucht?

Die immerwährend populäre Zugkraft und Inszenierung der ‚Droge‘ als stilisierte Rauscherfahrung ist Gegenstand des Panels „Rausch“: Robin Aust und Philipp Ritzen widmen sich in ihren Beiträgen der exzessiven Drogen- und Konsumkultur in der deutschsprachigen Popliteratur. Daran anschließend fragt Tomy Brautschek nach dem subversiven Potenzial des Rauschs in der populären Musik: „Wäre Pop ohne Droge überhaupt denkbar?“ In einem thematisch spannenden Grenzgang analysiert Alexander Zimbulov die Weinmetaphorik als ambivalenten ‚Spirit’ im „Hohelied“.

Die anschließende Podiumsdiskussion bereichert den Austausch: Vertreter/innen von CDU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen erläutern ihre parteispezifische Drogenpolitik, während Positionen aus der Praxis, wie z.B. die des Suchtkoordinators der Stadt Düsseldorf und des Plenums, die Relevanz der öffentlichen Diskussion verdeutlichen.

„Sucht. Rausch. Droge?“ – Interdisziplinäre Tagung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Öffentliche Vorträge und Podiumsdiskussion

Kein Eintritt – Anmeldung nicht erforderlich!

Freitag, 16.11.2018, 10:00 bis 19:00 Uhr

Haus der Universität, Schadowplatz 14, 40212 Düsseldorf

Weitere Informationen und Programm unter undefinedhttps://sucht-rausch-droge-tagung.hhu.de/

Kontakt: Dr. Simone Brandes, Thomas Gurke, Dr. Frank Meier

Email: undefinedsucht-rausch-droge-tagung(at)phil.hhu.de

Eine interdisziplinäre Tagung: „Sucht. Rausch. Droge?“

Sucht.Rausch.Droge?

Mr. Brownstone, Sister Morphine and Mother’s Little Helper klingen ach so vertraut – die Trias von Drogenkonsum, Rauscherfahrung und Suchterkrankung gehört nicht erst seit den 1960er Jahren, sondern von alters her zu den konfliktträchtigsten Diskursfeldern der Gesellschaft. Bereits in der Antike spricht Platon vom Pharmakon als “Gift” und “Heilmittel” zugleich und eröffnet damit eine Diskussion, in der die Verwendung des Begriffs Droge bis heute ambivalent verhandelt wird. Dabei ist nicht nur der medizinische Einsatz mancher Arten von Betäubungsmitteln umstritten; auch der zur Rekreation eingesetzte Gebrauch psychoaktiver Substanzen wird aus medizinischer, rechtlicher, ökonomischer sowie ethischer Perspektive kontrovers beurteilt.

Frappierend bleibt die diskursive Wandelbarkeit des Begriffs Droge, mit der immer auch gesellschaftliche Akzeptanz und Diskreditierung einhergehen: das Spannungsfeld reicht von der Sakralität des Messweins bis zum profanen Flatrate-Saufen, vom Hirndoping mit Ritalin bis zur Schmerztherapie mit Cannabinoiden, von der Strafverfolgung des Feierabend-Joints bis zur dörflichen Inauguration im Bierzelt. Diese komplexen und mehrdeutigen Definitions- und Interpretationsmöglichkeiten von Drogen, ihr Gebrauch bzw. Missbrauch aus gesellschaftlicher, politischer bzw. juristischer Sicht, die künstliche Trennung zwischen rechtlich akzeptiertem Rausch und verbotenem Konsum sind Themen dieser interdisziplinären, alle Fakultäten einbindenden, universitätsweiten Tagung Sucht.  Rausch.  Droge? im Haus der Universität der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Im Rahmen dieser Tagung wird der aktuelle und fortwährend populäre Topos der Droge in drei synergetischen Themenfeldern – Droge, Sucht, Rausch – und unter Berücksichtigung kontemporärer Debatten beleuchtet. Expertinnen und Experten, etablierte Forscherinnen und Forscher sowie Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus den verschiedenen Disziplinen der fünf Fakultäten sind zu diesem fakultätsübergreifenden Transfer eingeladen, jeweils einen 20-minütigen Vortrag aus ihrem bzw. seinem Forschungsfeld beizutragen, um der hohen Komplexität des Themas Rechnung zu tragen und in der Wissensregion Düsseldorf öffentlich zu präsentieren.

Panel 1: Sucht
Sucht als Folge von Drogenkonsum wird hier aus medizinischer, psychologischer und gesellschaftspolitischer Sicht verhandelt: Was weiß die Medizin über Sucht und wie definiert man sie? Und wann spricht man von psychischen oder körperlichen Abhängigkeiten? Welche Drogen werden an solche Klassifikationen gebunden? Wie verhält es sich mit der Nikotin- und Alkoholsucht im Vergleich zur Abhängigkeit von Cannabis bzw. von sogenannten harten Drogen? Welche Phänomene liegen vor, wenn Menschen bis ins hohe Alter süchtig bleiben oder erst im Alter sich den Drogen verschreiben? Welche Bedeutung wird das „neue und akzeptierte“ süchtige Klientel von Alten und Kranken für den Drogenmarkt in Zukunft haben? Welche (nachweisbaren) Linderungen können Drogen im Krankheitsfall bewirken? Und welchen nachweisbaren Schaden richten sie an?

Panel 2: Rausch
Rausch als komplexes Phänomen wird hier unter medizinischen, psychologischen, ethischen und kulturellen Aspekten diskutiert: Welche vielfältigen Konnotationen sind mit Rauscherfahrungen im Alltag verbunden? Wann kickt Rausch und wann wird er gefährlich? Wie wirkt sich Drogenkonsum in Form von wahrnehmungspsychologischen Erfahrungen auf kreative Prozesse bzw. Kreativität als Output kultureller Artefakte aus? Sind diese ästhetisch und/oder ethisch vertretbare Produkte, die sogar auf einem Markt abgesetzt werden dürfen, der eben gerade den Konsum dieser Drogen verbietet?

Panel 3: Droge
Der normativ-juristische sowie marktökonomische Begriff der Droge sowie dessen Verhandlung in der Politik soll hier Thema sein: Durch welche Akzentverschiebungen werden Drogen legal bzw. illegal? Welchen Mechanismen bedingen diese Wandelbarkeit? Welche Rollen spielen hierbei Markt, Konsum sowie Politik und deren „Leitkulturen“? Warum werden Drogen wie Tabak und Alkohol in der hiesigen Gesellschaft und vor dem Gesetz als eher harmlos eingestuft und sind deswegen frei im Handel erhältlich, während der Besitz und der öffentliche Konsum anderer Drogen wie Cannabis beispielsweise illegal und strafbar ist? Welche alternativen Geografien und Topografien ergeben sich aus dem Umgang mit der Legalisierungsdebatte?

Die Tagung findet einen diskussionsreichen und anregenden Ausklang mit einer öffentlichen Podiumsdiskussion zum Thema “Drogenpolitik in Düsseldorf – Strategien zur Entkriminalisierung”. Expertinnen und Experten aus Stadtpolitik, Kultur und Wissenschaft werden sich zentralen gesellschafts- und forschungsrelevanten Fragen stellen.

 

Die Tagung Sucht. Rausch. Droge? wird von der Graduiertenakademie philGRAD der Philosophischen Fakultät unterstützt.